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Drupal Canvas: der neue Page Builder für Drupal erklärt

Drupal Canvas ist der visuelle Page Builder für Drupal: Redakteure setzen Seiten per Drag-and-drop aus Komponenten zusammen, bearbeiten Inhalte direkt auf der Seite und sehen Änderungen in der Vorschau.

Eine Hand setzt mit einer Pinzette ein kleines weißes Bauteil in ein offenes Raummodell, daneben liegen weitere Bausteine in einer Schale.
Bauteile einsetzen und das Ergebnis sofort sehen: So stellt die Redaktion mit Canvas Seiten aus Komponenten zusammen. Bild: KI-generiert

Kurz gesagt

  • Drupal Canvas ist ein visueller Page Builder, mit dem Seiten per Drag-and-drop aus Komponenten entstehen.
  • Version 1.0 erschien am 4. Dezember 2025. Seit Drupal CMS 2.0 vom 28. Januar 2026 ist Canvas dort der Standard-Editor.
  • Canvas setzt Drupal 11.3 oder neuer voraus.
  • Dieser Beitrag gibt den Stand vom 5. Oktober 2026 mit Canvas 1.12.0 wieder.

In Drupal pflegen Redakteure Inhalte meist in Formularen, das Aussehen einer Seite bestimmt das Theme. Wer eine neue Landingpage mit eigenem Aufbau wollte, brauchte oft einen Entwickler. Drupal Canvas soll das ändern.

Was ist Drupal Canvas?

Drupal Canvas ist ein komponentenbasierter Page Builder. Redakteure ziehen Bausteine wie Hero, Karten, Akkordeon oder Teaser auf die Seite, füllen sie direkt dort mit Inhalt und sehen das Ergebnis sofort. Der Wechsel zwischen Bearbeitungsformular und Vorschau entfällt.

Technisch besteht Canvas aus einer Oberfläche in React, die an die Programmierschnittstellen von Drupal Core angebunden ist. Laut Projektseite auf drupal.org sollen Site Builder eine Website im Browser gestalten und aufbauen können, ohne mehr Code zu schreiben als einfaches JSX und CSS. Dieselben Inhalte lassen sich klassisch ausgeben oder headless an andere Frontends liefern.

Von Starshot über Experience Builder zu Canvas

Auf der DrupalCon Portland 2024 stellte Drupal-Gründer Dries Buytaert die Initiative Starshot vor. Ihr Ziel war ein Drupal, mit dem Marketing-Teams und Redaktionen schneller starten. Das Produkt heißt heute Drupal CMS. Teil der Initiative war von Anfang an ein neuer visueller Editor, damals unter dem Namen Drupal Experience Builder.

Der Experience Builder wurde später in Drupal Canvas umbenannt. Die alte Projektseite auf drupal.org verweist inzwischen nur noch auf Canvas. Am 2. Oktober 2025 erschien die erste Beta, am 4. Dezember 2025 die Version 1.0. Mit Drupal CMS 2.0 wurde Canvas am 28. Januar 2026 zum Standard-Editor. Seitdem kommen etwa monatlich neue Versionen heraus.

Was Canvas kann

Seiten aus Komponenten bauen

Die Arbeit beginnt in einer Komponentenbibliothek am Rand der Seite. Redakteure ziehen einen Baustein an die gewünschte Stelle und bearbeiten Texte, Bilder und Einstellungen direkt in der Seite. Drupal CMS 2.0 bringt dafür die Komponentenbibliothek Mercury mit, unter anderem mit Karten, Testimonials, Hero-Bereichen, Menüs und Akkordeons. Wer ein eigenes Design hat, ersetzt oder ergänzt diese Bausteine durch eigene Komponenten aus der Drupal-Theme-Entwicklung.

Vorschau und Rückgängig

Mehrere Seiten lassen sich gemeinsam anlegen und vor der Veröffentlichung prüfen. Ein mehrstufiges Rückgängig nimmt einzelne Arbeitsschritte zurück. So kann die Redaktion einen neuen Aufbau ausprobieren, bevor er online geht.

Code-Komponenten im Browser

Neue Bausteine können Entwickler direkt im Browser schreiben, mit JSX und CSS. Diese Code-Komponenten stehen danach in der Bibliothek wie jede andere Komponente bereit. Daneben nutzt Canvas Single-Directory Components aus Themes und Modulen sowie klassische Drupal-Blöcke.

Content Templates

Seit der ersten Beta gibt es Content Templates, zunächst als experimentelle Funktion. Damit legt ein Site Builder fest, wie ein Inhaltstyp aussieht, etwa ein Blogbeitrag oder eine Veranstaltung. Die Felder des Inhaltstyps werden dabei Komponenten zugeordnet. Redakteure pflegen weiter strukturierte Felder, die Darstellung kommt aus der Vorlage.

KI-Unterstützung

Drupal CMS 2.0 enthält KI-Funktionen, die mit Canvas zusammenarbeiten, zum Beispiel Seiten aus einer Textvorgabe mit den vorhandenen Komponenten erzeugen. Mehr zu diesem Thema finden Sie in unserem Beitrag zu Drupal AI.

Canvas, Layout Builder und Paragraphs im Vergleich

Canvas ist nicht der erste Weg, flexible Seiten in Drupal zu bauen. Viele bestehende Websites arbeiten mit dem Drupal Layout Builder aus Core oder mit dem Modul Drupal Paragraphs. Die Tabelle zeigt die Unterschiede in der Arbeitsweise, ohne eine Rangfolge.

Drupal Canvas, Layout Builder und Paragraphs im Vergleich
MerkmalCanvasLayout BuilderParagraphs
Arbeitsweisevisuell, per Drag-and-drop auf der Seitevisuell, Blöcke werden in Abschnitten per Drag-and-drop angeordnetFormular im Backend
Bearbeitung auf der Seiteja, mit VorschauAnordnung in der Layout-Ansicht, Inhalte über eine Seitenleistenein, Bearbeitung im Formular
BausteineKomponenten: Single-Directory Components, Code-Komponenten, BlöckeBlöcke in AbschnittenParagraph-Typen mit eigenen Feldern
HerkunftContrib-Projekt, in Drupal CMS enthaltenDrupal CoreContrib-Projekt
Typischer EinsatzLandingpages und Seiten, die Redakteure frei gestaltenStandard-Layouts je Inhaltstyp, einzelne Seiten mit eigenem LayoutInhalte aus festgelegten Bausteinen in einem Feld, in fester Reihenfolge untereinander

Paragraphs eignet sich gut, wenn die Redaktion Inhalte aus vorgegebenen Typen zusammensetzen soll und das Theme die Gestaltung bestimmt. Der Layout Builder ordnet Blöcke in Abschnitten an und arbeitet mit Standard-Layouts je Inhaltstyp. Canvas geht weiter in Richtung freier Seitengestaltung mit sofortiger Vorschau.

Zur Zukunft des Layout Builders gibt es noch keine Entscheidung. In der Core-Issue-Queue wird vorgeschlagen, ihn aus Core in ein eigenes Contrib-Projekt zu verschieben (Issue 3619180). Ein offizieller Migrationsweg von Layout Builder oder Paragraphs zu Canvas ist uns nicht bekannt.

Voraussetzungen

Canvas läuft laut Projektseite mit Drupal 11.3 oder neuer. Auf einer bestehenden Website mit Drupal Core installieren Sie Canvas als Modul. Wer noch auf Drupal 10 arbeitet, muss zuerst upgraden. Was dabei zu beachten ist, lesen Sie im Beitrag zum Drupal 10 Support-Ende. Den Umstieg selbst begleiten wir bei der Drupal-Migration und Upgrade.

Stabile Releases von Canvas stehen unter der Sicherheitsrichtlinie von drupal.org, Sicherheitslücken werden also über das Security Team gemeldet und behoben. Zum Stand dieses Beitrags ist Canvas 1.12.0 vom 25. September 2026 aktuell. Canvas entwickelt sich schnell. Prüfen Sie vor der Einführung die aktuelle Version und die Release Notes.

Für wen eignet sich Canvas?

Am einfachsten ist der Einstieg bei neuen Websites mit Drupal CMS. Canvas, Mercury und Site Templates wie „Byte“ sind dort bereits eingerichtet. Für Landingpages und Kampagnenseiten passt das gut.

Canvas lohnt sich auch für Redaktionen, die heute für jede neue Seite einen Entwickler brauchen. Das ist eine der typischen Situationen, in denen Kunden uns ansprechen: „Die Redaktion kann neue Seiten nur mit Hilfe von Entwicklern gestalten.“ Mit Canvas legt das Team die Bausteine einmal fest, danach baut die Redaktion selbst.

Bei bestehenden Websites mit eigenem Theme ist mehr zu tun. Die vorhandenen Templates und Bausteine müssen als Komponenten vorliegen, die Canvas versteht. Auf Websites, die stark mit Paragraphs oder Layout Builder arbeiten, laufen die Seiten zunächst weiter wie bisher. Ob und wann ein Umstieg sinnvoll ist, hängt vom Umfang der Inhalte ab. Für stark strukturierte Inhalte wie Produktdaten zählt vor allem eine saubere Feldstruktur. Hier helfen Content Templates mehr als freie Gestaltung.

Nicht jede Website braucht Canvas. Paragraphs bleibt eine gute Wahl, wenn Seiten einem festen Muster folgen und die Redaktion keine Gestaltungsfreiheit braucht. Das hält das Erscheinungsbild einheitlich und die Einarbeitung kurz. Der Layout Builder passt weiter, wenn eine Website ihn bereits einsetzt und die Redaktion gut damit arbeitet. Ein Umbau nur wegen eines neuen Werkzeugs bringt dann wenig.

Eigene Komponenten im Theme ohne Page Builder sind sinnvoll, wenn eine Website wenige Seitentypen hat, die sich selten ändern. Die Redaktion pflegt dann Inhalte, das Theme sorgt für die Darstellung. Kommen später mehr Landingpages dazu, lassen sich gut gebaute Komponenten in Canvas weiterverwenden.

Eine kniende Person legt Fliesen in drei Größen lose auf einem Estrichboden aus, daneben gestapelte Fliesen und ein Gummihammer.
Wenige, sauber festgelegte Formate reichen für viele Muster, und jedes davon passt zum Rest. Bild: KI-generiert

Canvas mit eigenem Design einsetzen in fünf Schritten

Wer Canvas mit dem eigenen Corporate Design nutzen will, geht im Kern so vor:

  1. Seitentypen und Bausteine festlegen. Ein Komponenten-Inventar listet alle Bausteine, die die Redaktion braucht, mit ihren Varianten.
  2. Komponenten anlegen. Entweder als Single-Directory Components im Theme oder als Code-Komponente direkt im Browser.
  3. Felder verbinden. Über Content Templates werden die Felder der Inhaltstypen mit Komponenten verbunden.
  4. Rechte festlegen. Sie bestimmen, wer Seiten anlegt, wer Komponenten ändert und wer veröffentlicht.
  5. Redaktion schulen. Das Team lernt die Bausteine kennen und baut die ersten Seiten.

Die Schritte zwei und drei sind klassische Drupal-Theme-Entwicklung. Für den letzten Schritt bieten wir eine Drupal-Schulung an, abgestimmt auf die Bausteine Ihrer Website.

Hände legen auf einem hellen Tisch Papierkarten in verschiedenen Größen zu einem Seitenaufbau zusammen, daneben ein Stapel weiterer Karten.
Die ersten Seiten entstehen am besten schon in der Schulung, mit den Bausteinen der eigenen Website. Bild: KI-generiert

Wie wir Komponenten planen

Wir bauen Themes aus wiederverwendbaren Komponenten statt aus Einzelseiten. Am Anfang stehen Seitentypen und Bausteine wie Text, Bild, Karten oder FAQ, die die Redaktion frei kombinieren kann. So bleibt das Erscheinungsbild einheitlich, auch wenn neue Seiten ohne Entwickler entstehen.

Diese Planung ist unabhängig vom Editor. Ein sauberes Komponenten-Inventar ist die Grundlage für Paragraphs, Layout Builder und Canvas gleichermaßen. Wer heute sein Theme so aufbaut, hat später beim Umstieg auf Canvas weniger Arbeit.

Wenn Sie Canvas mit Ihrem eigenen Design nutzen wollen, schreiben Sie uns, wo Ihre Website heute steht und was Ihre Redaktion braucht.

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Häufige Fragen

Häufige Fragen

Ist Drupal Canvas dasselbe wie der Experience Builder?

Ja. Drupal Canvas wurde während der Entwicklung als Drupal Experience Builder bezeichnet. Die alte Projektseite auf drupal.org verweist heute auf Canvas.

Ist Canvas Teil von Drupal Core?

Nein. Canvas ist ein eigenes Projekt auf drupal.org (Stand 5. Oktober 2026). In Drupal CMS ist es seit Version 2.0 enthalten und der Standard-Editor. Auf einer Website mit Drupal Core installieren Sie Canvas als Modul.

Kann ich Canvas mit Drupal 10 nutzen?

Nein. Canvas setzt Drupal 11.3 oder neuer voraus. Auf Drupal 10 steht deshalb zuerst ein Upgrade an.

Ersetzt Canvas den Layout Builder?

Bisher nicht. Beide existieren nebeneinander, der Layout Builder ist weiter Teil von Drupal Core. In der Core-Issue-Queue wird vorgeschlagen, ihn in ein Contrib-Projekt zu verschieben. Entschieden ist das zum Stand dieses Beitrags nicht.

Brauche ich Programmierkenntnisse für Canvas?

Für das Zusammenstellen von Seiten nicht. Eigene Komponenten brauchen dagegen Kenntnisse in JSX und CSS oder in der Drupal-Theme-Entwicklung.

Kostet Canvas etwas?

Canvas ist Open Source unter der GPLv2, wie Drupal selbst. Aufwand entsteht für die Einrichtung, die eigenen Komponenten und die Schulung der Redaktion.

Autor

Christian Heyer
GF / Beratung / Konzeption / Projektmanagement

Christian Heyer ist Geschäftsführer der RedOrbit GmbH. Er berät Unternehmen seit 2009 zu Drupal und verantwortet Konzeption und Projektmanagement.

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